Sonntag, 31. Januar 2021

Okklusion

Was ist Okklusion bei Hörsystemen?

Okklusion beschreibt grundlegend einen Verschlusseffekt durch Hörgeräte im Gehörgang. Wie beispielsweise auch bei Musikinstrumenten, verändert sich bei allen Körpern die Resonanz mit dem Volumen. Zudem entsteht eine höhere Impedanz, wenn ein Volumen in Schallrichtung kleiner wird. Das Resultat ist eine so genannte stehende Welle.
Anhand der folgenden Abbildung möchte ich das Problem bei Hörsytemen erklären und aufzeigen, wie dieser Effekt vermindert werden kann.


Schematische Darstellung von Okklusion

 

 

Die Abbildung zeigt das Außenohr, bis zum Trommelfell. Die eingesetzte Otoplastik verändert das Volumen im Gehörgang und verschließt das Ohr zu großen Teilen. Die Zusatzbohrung variiert je nach akustischen/anatomischen Bedingungen. I.d.R. nutzt man hier Durchmesser von etwa 0,6mm bis 3mm. Der Lautsprecher gibt nun die durch das Hörgerät vertärkten Töne im Gehörgang ab (grüne Welle). Diese trifft nun auf das Trommelfell und wird teilweise reflektiert (rote Welle). Ist die Reflexion phasengleich zum eintreffenden Schall, so überlagern sich die beiden Wellen und adieren sich zu einer, mit höherer Amplitude (Lautstärke). Man hört eine Resonanz. Durch die eben genannte Impedanz, kann dieser Schalldruck jedoch nur in geringem Maße durch die Zusatzbohrung abfliessen und staut sich im Gehörgang. Was der Träger nun wahrnimmt, sind verstärkte Geräusche im Tieftonbereich. Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass das Kiefergelenk am Gehörgang anliegt. Körpergeräusche, wie Kau- und Sprachgeräusche, werden über Knochen als Körperschall auf den Gehörgang bzw. die Otoplastik übertragen. Diese Schwingungen lösen ebenfalls diesen Effekt aus. Knochenschall, also auch Resonanzen, die in den pneumatischen Räumen im Kopf- und Halsbereich entstehen, zählen zum Autophonieeffekt. Auch patologische Ursachen können letzteren verstärken, unabhängig von einer Hörgeräteversorgung.

Für manche ist es einfacher vorstellbar wenn man erklärt, dass Schall im Medium Luft nur einem Druck entspricht. Erhöht sich der Druck, wird es lauter. Dieser fließt durch kleine Ventile (Zusatzbohrung) jedoch schwerer ab als durch größere. Nun könnte man sagen, dass zur Lösung des Problems lediglich die Bohrung vergrößert werden muss. Das ist physikalisch zwar korrekt, birgt aber weitere Gefahren. Auch die hohen Töne gelangen so leichter wieder in die Mikrofone und lösen ggf. ein Pfeiffen aus. (Siehe Rückkopplungen)
Ein weiterer Weg zur Reduktion der eigenen Körpergeräusche ist gänzlich einfach. Bei der Ohrabformung wird der Kunde aufgefordert Kaubewegungen zu machen. Das hat den Grund, dass sich da wo das Kiefergelenk auf den Gehörgang drückt, eine Mulde bildet. Diese kann händisch ausgearbeitet werden, sodass das Kiefergelenk später nicht/weniger an der Otoplastik anliegt.



Mittwoch, 27. Januar 2021

Hörgeräteversicherungen. Sinnvoll oder sinnlos?

Welche Möglichkeiten habe ich, meine Hörsysteme zu versichern?

Es ist gar nicht so leicht mittels Onlinerecherchen konkrete Fakten zu erfahren. Einige Angaben, die ich auf Vergleichsportalen fand, konnte ich beim Anbieter selbst nicht verifizieren und habe sie raus gelassen. Prinzipiell gibt es aber zwei Varianten. Manche private Zusatzversicherungen haben Brillen und Hörgeräten mit Abgedeckt. Es gibt aber auch Varianten, die ausschließlich für die Hörgeräteversorgung bestimmt sind. Bei drei Anbietern konnte ich in soweit Daten sammeln, als dass ich sie mal exemplarisch vergleichen und niederschreiben kann. Leider ist der Beitrag sehr variabel und abhängig vom Kaufpreis des Hörsystems, dem Eigenanteil und dem Paket, das man wählt. Daher kann ich nur sagen, dass eine Preisspanne von ca. 5 - 10€ mtl. üblich scheint. 

Beim Vergleich sollte man unbedingt darauf achten, welche Schäden genau versichert sind. Schweiß ist ein unterschätzter Gegner der Hörgeräte, genauso wie generell Feuchtigkeit. Implosion oder Explosion halte ich hingegen für Zusätze, die einfach nur die Liste füllen, aber keinen Mehrwert haben. Auch der Eigenanteil sollte genau definiert sein. Übrigens erstatten Versicherungen grundsätzlich nur den Betrag, den man beim Kauf der Hörsysteme selbst aufgebracht hat, nicht aber die Summe der gesetzlichen Krankenversicherung. Das ist aber auch gar nicht weiter schlimm, da bei Verlust eine vorzeitige Wiederversorgung beantragt werden kann. Sofern das nicht alle Jubeljahre passiert, stellt sich da kaum eine Krankenkasse quer und bezuschusst die Versrogung erneut. Einen Anspruch darauf gibt es jedoch nicht. Ob sich eine Versicherung lohnt, weiß man im Vorfeld nie. Als Anhaltspunkt kann man sagen, dass die Summe des Versicherungsbeitrags über den Versicherungszeitraum 50% des Eigenanteils der Hörgeräte nicht übersteigen, und die Versicherungsleistung gängige Faktoren wie Feuchtigkeit/Schweiß und Verlust abdecken sollte. Bei Privatversicherten weichen die Beträge übrigens auch ab, da der Anteil der Krankenkasse ein anderer ist. 

Mir ist bewusst, dass es noch weitere Anbieter gibt und manche Akustiker eine direkte Versicherung über das Fachgeschäft anbieten. Daher soll dieser Vergleich nur einen Einblick in die Welt der Hörgeräteversicherungen geben.

Die * unter der Tabelle geben an, welche Schäden versichert sind.

Anbieter mtl. Betrag EA Reparatur EA Verlust Versicherungs-
frist
Laufzeit Link

Ergo abhängig vom
Gerätepreis
30€* (auch bei mehreren Reparaturen)
40% ?
?
nur über Partner-akustiker

Schiegg abhängig vom
Gerätepreis
variabel** variabel Bis 14 Tage nach
Kaufdatum
3-4 Jahre Link

Wertgarantie (Premium) abhängig vom
Gerätepreis
0€*** 0€
(nur Zeitwert wird erstattet)
keine unbegrenzt Link










*Handhabungs- und Bedienfehler, Fall/Sturz und Unfall, Wasser, Feuchtigkeit, Wetter, Brand, Explosion, Implosion, Blitzschlag, Überspannung, Kurzschluss
**Bruch, Beschädigung, Zerstörung, unsachgemäße Handhabung, Diebstahl, Einbruchdiebstahl, Raub und räuberische Erpressung, Verlust
***Abnutzung, Elektronik, Fall- und Sturzschäden, Hitze/Frost, Wasser, Schweiß, Feuchtigkeit, Verschleiß, Materialfehler, unsachgemäßer Gebrauch


Freitag, 22. Januar 2021

Aktuelle Information: Fusion

Aktuelle Information

Und wieder steht eine Fusion zweier Krankenkassen an. Diesmal betrifft es die atlas BKK ahlmann und die Schwenninger BKK. Die Namen bleiben jedoch nicht bestehen, sodass die neue Krankenkasse "vivida BKK" heißen wird. Das Institutionskennzeichen wird von der Schwenninger BKK übernommen. Ebenso deren Versorgungsvertrag.

Donnerstag, 21. Januar 2021

Datalogging & Datalearning, ist das legal?

Was ist Datalogging und Datalearning und darf das ohne Zustimmung eingesetzt werden?

Spätestens seit der neuen DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) sind Kunden erneut sensibilisiert worden, was den Umgang mit persönlichen Daten angeht. Doch sind die erhobenen Daten wirklich persönlich oder nur technisch? 


Datalogging

Mit Hilfe des Dataloggings ist es möglich, die Gewohnheiten des Trägers für einen bestimmten Zeitraum aufzuzeichnen und vom System auswerten zu lassen. Informationen wie Tragezeit, Lautstärkeänderungen und Programmwechsel werden gespeichert, auf deren Basis dann eine Feinanpassung vorgenommen werden kann.Tatsächlich werden aber nur statistische Daten angezeigt, d.h. dein Akustiker kann sehen, wie lange du die Geräte insgesamt getragen hast und wieviele Stunden pro Tag. Ebenso sind die prozentual erkannten Hörsituationen angegeben. Konkret steht dort beispielsweise:
- Ruhige Umgebung: 64%
- Sprache in Lärm: 22%
- Lärm: 14%

Auch Streaming-Zeiten oder manuelle Änderungen sind ersichtlich, sodass dein Akustiker, wenn in einer bestimmten Hörsituation immer die gleiche Aktion (bspw. Lautstärkereduktion) vorgenommen wurde, diese pauschal nachjustieren kann. 

Was diese Funktion im einzelnen aufzeichnet ist auch abhängig davon, was das Hörsystem generell an Funktionen hat. Gibt es keinen Lautstärkesteller oder keine Streaming-Option, kann darüber natürlich auch keine Statistik erstellt werden.


Datalearing

Datalearing ist eine Erweiterung des Dataloggings. Das was der Akustiker in der Feinanpassung einstellen würde, macht das Gerät hier teilweise automatisch. Das heißt, dass deine Lautstärkeänderungen in einer bestimmten Situation vom Gerät automatisch ausgeführt werden, wenn du es oft genug und in gleicher Situation wiederholt hast.


Fazit:

Trotz, dass es statistische Werte sind, gelten sie als "personenbezogen" und dürfen ohne Einwilligung nicht erhoben werden. In den meisten Anpasssoftwares der Hersteller ist die Datalogging-Funktion standardmäßig aktiviert. Entweder muss dein Akustiker dich also um Erlaubnis fragen, diese jedesmal abschlaten, oder sie grundlegend in den Einstellungen der Software, wenn möglich, deaktivieren.

Montag, 18. Januar 2021

Frequenzkompression und -transposition

Was ist eine Frequenzkompression/-transposition und worin unterscheiden sie sich.

Die beiden Funktionen wurden ursprünglich konzipiert, um Trägern, die ab einer gewissen Tonhöhe nicht mehr hören können (Hochtonbereich), das volle Hörspektrum wieder zu ermöglichen. Praktisch werden sie jedoch auch schon bei Hochtonsteilabfällen eingesetzt, weil sie den Klangeindruck und damit die Spontanakzeptanz subjektiv verbessern können. Das Prinzip ist recht simpel zu erklären, jedoch in zwei grundlegende Ansätze zu unterteilen. Zum einen kommt hier die Frequenzkompression und zum anderen die Frequenztransposition zum Einsatz. Anhand der folgenden Abbildung, möchte ich beide Verfahren erläutern.

 

Abbildung: Darstellung der Frequenzverschiebung


Da gerade der Hochtonanteil für das Sprachverstehen und Richtungshören von enormer Bedeutung ist, wird der rechte orangene Anteil in das grüne Feld verschoben. Bei der Frequenztransposition werden beide Teile addiert und für den Träger im grünen Feld widergegeben. Das restliche Spektrum bleibt hier unberührt. Anders gesagt wird die Quelloktave in die Zieloktave transponiert. Da die Schwingungen der Quelloktave jedoch höher sind als die der Zieloktave, werden mit Hilfe von speziellen Filtern die Seitenflanken beschnitten.
Bei der Frequenzkompression hingegen, wird das Spektrum einfach verschmälert. Das heißt, der rechte orangene Bereich wird zusammengestaucht. Beide Varianten verfälschen jedoch das natürliche Hören, so dass der Hörgeräteträger sich neu an die Hörsituation gewöhnen muss. Die Frequenztransposition sorgt zudem für Pegelspitzen im zusammenaddierten Bereich, die Kompression hingegen für eine schmalbandigere Widergabe der hohen Frequenzen. 

Der einstellbare Bereich ist von 8kHz bis ca. 1kHz. Je stärker diese Funktion reingeregelt wird, desto unnatürlicher und dumpfer wird das Klangbild. Es ist jedoch auch möglich, die Tonhöhe zu kopieren und somit den ursprünglichen Bereich zusätzlich bestehen zu lassen. Auch gibt es mittlerweile komplexere Algorithmen, die zwei Quell- und Zielbereiche adaptiv betrachten können usw.

Samstag, 16. Januar 2021

Welche Hörgerätebauformen gibt es?

Übersicht der gängigen Hörgerätebauformen

Mittlerweile gibt es eine ganze Menge verschiedener Bauformen, die alle Vor- und Nachteile mitsich bringen. Jeder wünscht sich möglichst kleine Geräte, was aber audiologisch nicht immer möglich ist. Prinzipiell gibt es übrigens fast alle Geräte in den verschiedenen Bauformen. Auch die Farben sind variabel. So kann man aus verschiedenen Farben und Farbtönen wählen. Ich zeige euch hier die gängigsten der kleinen Helfer.


Ex-Hörer-Geräte (RIC/RIE/RITE)

Eine der häufigsten Bauformen ist die Ex-Hörer-Variante, oft auch RIC/RIE/RITE (Reciever in Channel/Reciever in [the] ear) gennant. Das eigentliche Hörgerät sitzt hier hinter dem Ohr (HdO), hat aber den Lautsprecher (Reciever) im Ohr. Die Kabelführung ist sehr unauffällig und kann im Verlauf angepasst werden. Die Lautsprecher gibt es in verschiedenen Stärken und verschiedenen Längen. Durch den ausgelagerten Hörer ist die Bauform kleiner, als bei herkömmlichen HdO-Varianten. Diese Geräte können leichte bis hochgradige Hörverluste ausgleichen. Je größer der Lautsprecher, desto mehr Platz wird natürlich im Ohr benötigt, daher ist es anatomisch nicht immer machbar. Im Ohr kann sowohl ein Dome (Silikonschirmchen), Griptip (nicht angepasste Otoplastik), als auch ein angepasstes Ohrstück verwendet werden. Die Ex-Hörer sind austauschbar und durch ein Filtersystem vor Verschmutzungen geschützt. Der Zusatz "Mini" weißt übrigens darauf hin, dass das Gerät noch etwas kleiner ist und meist keine Lautstärkewippe hat, sondern nur einen einzigen oder gar keinen Knopf für manuelle Bedienungen.


Abbildung: Oticon More miniRITE R (Quelle: Oticon Hörgeräte)

 

Hinter-dem-Ohr-Gerät (HdO/BTE) 

Das klassische HdO hat im Gegensatz zum Ex-Hörer den Lautsprecher im Gerät verbaut. Durch den Hörwinkel und einen Schallschlauch wird dieser in das Ohr geleitet. Es ist tendenziell größer und auffälliger, kann aber auch Hörverluste ausgleichen, die an Taubheit grenzen (WHO4). Für leichtgradige Höminderungen können auch Slimtubes, also dünne Schallschläuche genutzt werden. Hier sind, wie beim Ex-Hörer, auch Domes und Griptips nutzbar. Der Standardschlauch hingegen hat einen größeren Durchmesser, da hier auch mehr Schall durchgeleitet werden soll. Ein Ohrpassstück ist hier unterlässlich.

 


Abbildung Oticon OPN Play (Quelle: Oticon Hörgeräte)

 

Concha-Gerät

Das Concha-Gerät ist das größte in der Familie der IdOs (Im-dem-Ohr Geräte). Sein Name kommt daher, dass es die gesamte Concha (Ohrmuschel) ausfüllt und wird auch mit ITE (In the Ear) abgekürzt. Diese Variante kommt meist bei stärkeren Hörverlusten oder motorischen Problemen zum Einsatz. Es bietet mehr Platz für Bauteile wie Potis (Potentiometer -> Lautstärkesteller), Mehrmikrofontechnik (maximal 2), größere Batterien usw.
Gängige Batteriegrößen: 312, 13


Abbildung: Oticon OPN ITE FS (Quelle: Oticon Hörgeräte)
 


Halb-Concha-Gerät

Das Halb-Concha-Gerät zählt ebenfalls zu den ITE-Geräten, füllt die Ohrmuschel jedoch wesentlich weniger aus und ist daher auch unauffälliger. Auch hier ist Platz für Bedienelemente und weitere Bauteile. Gängige Batteriegrößen, 312, 13

Abbildung: Oticon OPN ITE HS (Quelle: Oticon Hörgeräte)

 

ITC (In the channel)

Das ITC Gerät sitzt fast komplett im Gehörgang. Die verbleibende äußere Oberfläche bietet wenig Platz, wodurch meist keine Bedienelemente angebracht sind. Gängige Batteriegrößen: 312

Abbildung: Oticon OPN ITC (Quelle: Oticon Hörgeräte)
 
 

CIC (complete in channel) 

Diese Variante verschwindet tiefer und komplett im Gehörgang. Aus diesem Grund wird sie oft mit einem Ausziehfaden versehen, an dem das Gerät bequem herausgenommen werden kann. Hier wird häufig nur ein Mikrofon verwendet, da für ein zweites schlicht der Platz fehlt. Gängige Batteriegröße: 10, 312

Abbildung: Oticon OPN CIC (Quelle: Oticon Hörgeräte)
 

 

IIC (Invisible in channel)

Die letzte und kleinste Variante ist von außen so gut wie nicht mehr zu sehen. Diese extrem kleine Bauform eignet sich jedoch nur für leichtgradige Hörverluste, da die Bauteile sehr klein und damit leistungsschwächer sind. Gängige Batteriegröße: 10

Abbildung: Oticon OPN IIC (Quelle: Oticon Hörgeräte)



Donnerstag, 14. Januar 2021

Gehörschutz

Welche Gehörschutz-Varianten gibt es und wann ist er eigentlich sinnvoll?

Der Wunsch nach einem Gehörschutz kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Am meisten kennt man ihn wohl vom Arbeitsplatz, bei dem angeordnet und bereitsgestellt wird. Natürlich gibt es auch Freizeitaktivitäten, die einen Schutz vor lauten Schallquellen erfordern. Neben Konzerten und Motorradfahren, kann dieser auch für erholsameren Schlaf oder Schützen nützlich sein. Im privaten Alltag gibt es keine Normen und Vorschriften für Dämmerwerte, ander sieht es da am Arbeitsplatz aus. Auch Veranstalter oder Hersteller gewisser Unterhaltungsmedien unterliegen teilweise einem strengen Reglement.

Freizeit

Hier ist natürlich wichtig, wann bzw. in welchen konreten Situationen der Gehörschutz getragen wird. Besonders bei Schalfschutz, aber auch beim Motorradfahren, ist ein weiches Material und eine kleine Form sinnvoll. Sofern man bestimmte Warnsignale noch hören möchte, wie z.B. den Wecker oder Hupen anderer Verkehrsteilnehmer, wäre ein Filter eine Überlegung wert. Der sogt dafür, dass bestimmte Tonhöhen mehr und andere weniger gedämmt werden. Die Stärke des Dämmwertes ist recht subjektiv. Natürlich sollte man zu höheren Werten greifen, je lauter die Situation ist.

Es gibt auch Schwimmschutz für Sport und Freizeit. Dieser füllt die Ohrmuschel aus, um möglichst gut abzudichten und besteht aus Schwimmfähgiem Material. Dieser ist z.B. sinnvoll, wenn ein Paukenröhrchen oder ein Loch im Trommelfell besteht und schützt so das Mittelohr vor Wasser.

An Farben und Formen gibt es hier viel Auswahl. Auch Straßsteine oder andere Verzierungen sind möglich.


Beispiel: Hörluchs Sowei Free
Quelle: https://hoerluchs.com/gehoerschutz/vfs-public/img/produkte/freizeit-sport-musik/hoerluchs-sowei-free-summary.jpg



Arbeitsplatz

Grundlegend muss der Arbeitgeber ab einem Tageslärmexpositionspegel von 80dB (A) seinen Mitarbeitern Gehörschutz zur Verfügung stellen. Ab 85dB(A) ist dieser auch verpflichtend zu tragen. (Details: Siehe DGUV Präventionsleitlinie "Gehörschutz für Klein- und Mittelbetriebe)

Für mobile und über Kopfhörer nutzbare Geräte gilt ebenfalls, seit 2012, eine Begrenzung von 85dB(A).

Gehörschutz, welcher nach einer Prüfnorm für den Arbeitsschutz zugelassen wurde, wird in seinem Wirkungsgrad mit dem so genannten HML-Wert gekennzeichnet. Dieser gibt die Stärke des Dämmverhaltens an. Zudem gibt es einen gemittelten Wert, welcher allerdings lediglich der Orientierung, also dem Vergleich mit anderen Produkten, im relevanten Frequenzbereich dient. Von diesem Wert wird in der Praxis aus Sicherheitsgründen bereits ein bestimmter Anteil, in folgender Höhe, runtergerechnet.

  • bei Stöpseln 9dB(A)

  • bei Kapseln 5dB(A)

  • bei Otoplastiken 3dB(A) 


Beispiel: 


Der Gehörschutzstöpsel wird in drei Kategorien unterteilt. Zum einen gibt es die vor Gebrauch zu formende Gehörschutzstöpsel für den einmaligen Gebrauch, die fertig geformten Gehörstöpsel zum einmaligen Gebrauch und die fertig geformten Gehörstöpsel zum mehrfachen Gebrauch. Die Materialien zur Fertigung erstrecken sich von wachsgetränkter Wolle über Silikon und Schaumstoff bis hin zu weichem Kunststoff. Für den unregelmäßigen Gebrauch ist diese kostengünstige Variante gut geeignet. 

Beispiel: Hörluchs Unifit Free

Quelle: https://hoerluchs.com/gehoerschutz/vfs-public/img/produkte/freizeit-sport-musik/hoerluchs-unifit-free-summary.jpg
 

Der Kapselgehörschutz ist von der Bauform mit einem Kopfhörer zu vergleichen. Die Ohrteile schließen rund um das Außenohr dicht ab. Der Innenteil ist mit schalldämmendem Schaumstoff gefüllt. Dieses Model bietet die Möglichkeit Lautsprecher zur Funkübertragung in die Kapsel einzubauen, so dass Anweisungen trotzdem verstanden werden können. Eine weitere Variante ist das implantieren eines Mikrofons an der Außenseite, welches den Umgebungsschall aufnimmt und im Innenteil durch einen Lautsprecher an das Ohr weiterleitet. Der zwischen geschaltete Verstärker ist zum Schutz des Mittel- und Innenohrs mit einer starken Dynamikeinschränkung versehen.

Maßgefertigter Gehörschutz wird mittels Ohrabformung hergestellt. Bei dieser Art gibt es drei verschiedene Materialien zur Erstellung.

  • Acryl: harter Kunststoff, leichte Reinigung, extrem lange Lebensdauer

  • Silikon: leichter Kunststoff, leicht zu reinigen, lange Lebensdauer, angenehm zu tragen.

  • Fotoplast: harter, qualitativ sehr hochwertig, härtet nur unter UV-Licht aus.

Speziell angefertigter Gehörschutz bietet neben dem guten Tragekomfort auch individuelle Gestaltungsmöglichkeiten. Zudem kann ein höherer Dämmwert erzielt und auf bestimmte Frequenzen eingegangen werden. Die verschiedenen Arten erzielen eine Absenkung von circa 25 – 40 dB, abhängig von Frequenz, Material und anatomischen Bedingungen.

Beispiel: Hörluchs SOWEI


 Quelle: https://hoerluchs.com/gehoerschutz/vfs-public/img/produkte/industrie-und-handwerk/hoerluchs-sowei-work-summary.jpg

 

Aktiver Gehörschutz kann sogar Dämmwerte von max. 80dB (HL) bei 8kHz erreichen. Auch dieser ist spzeiell angefertigt und Batteriebetrieben. Hier gibt es auch wieder mehrere Möglichkeiten.

    - Impulsschallfilter (Schließt ab einem gewissen dB-Wert)

    - Komprimierende Filter (Nehmen Schall auf und leiten ihn leiser weiter in das Ohr)

    - Aktive Kompensation (Störlärm wird mit gegenphasigen Signalen ausgelöscht) 


Beispiel: Hörluchs HA Active pro 10

Quelle: https://hoerluchs.com/gehoerschutz/vfs-public/img/produkte/industrie-und-handwerk/ha-active/hoerluchs-ha-active-10er-variante-summary.jpg






Dienstag, 12. Januar 2021

Filtersysteme

Filtersysteme bei Ex-Hörern und Im-Ohr-Geräten.


Filtersysteme kommen bei Hörsystemen an zwei Orten zum Einsatz. Zum einen gibt es Filter an den Mikrofonen, die aber vom Akustiker (bei Bedarf) gewechselt werden sollten und jene, die am Schallaustritt der externen oder internen Hörer verbaut sind. Letztere können idR problemlos selbst getauscht werden. Hier gibt es aber diverse Varianten, deren gängigsten ich kurz vorstellen möchte.


HF3 / HF4 Filter


Diese Variante ist bereits farblich markiert und zeigt damit die Seite an. Letztlich ist die Farbe für die Funktion unerheblich, zeigt dem Träger jedoch direkt an, um welche Hörgeräteseite es sich handelt.

Die neueren Filter haben „Black“ im Namen stehen, was ein kleines Update der Filterstruktur mit sich bringt. Die Filter sind feuchtigkeits- und schmutzabweisend. Der Unterschied zwischen 3 und 4 ist der Durchmesser. HF3 Filter haben 3,1 mm Durchmesser und die HF4 Filter 2,4 mm. Mit einem mitgelieferten Werkzeug lassen sich die verschmutzten Filter entfernen. Dazu muss die Gewindeseite mit einer Umdrehung in den Filter gedreht werden. Anschließend kann dieser problemlos raus gezogen werden. Einen neuen hingegen nimmt man mit der Gegenseite aus dem Spender auf und steckt ihn einfach wieder in den dafür vorhergesehenen Platz. In einer Packung sind 15 (einfarbig) oder 16 (beide Farben) enthalten.


HF3 Filter


 
HF4 Filter (black)
 
Vergleich




CeruStop/HearClear/Nanocare/Waxstop


Diese Versionen sind nicht farblich markiert und lediglich weiß. Es befinden sich 8 „Stäbchen“ in einer Verpackung, die oben einen Widerhaken und unten einen neuen Filter angebracht haben. Das Prinzip ist ein reines Stecksystem. So wird mit dem Widerhaken in den alten Filter „gepikst“ (möglichst gerade!) und dieser einfach herausgezogen. Anschließend dreht man das Werkzeug um und steckt auch hier den neuen Filter wieder rein.


Hearclear 1
 
 
Nanocare/Cerustop



ProWax/ProWax MiniFit/NoWax


Prowax und Nowax Filter sind ähnlich wie die CeruStop-Variante. Das Werkzeug sieht hier etwas anders aus und Widerhaken und neuer Filter liegen nebeneinander. Ansonsten ist der Ablauf identisch und auch die Farbe ist hier weiß. Prowax ist flacher und engmaschiger, Nowax tiefer und grobmaschiger.


Nowax


 
 
Prowax
   
 
 
 
Prowax Minifit



Vergleich



Sonntag, 10. Januar 2021

Schalleitung, Schallempfindung?! Worin unterscheiden sich Hörminderungen?

Welche Hörminderungen gibt es eigentlich?


Schallempfindungsschwerhörigkeit

Die Schallempfindungsschwerhörigkeit ist auch bekannt unter dem Namen Schallempfindungsstörung oder Innenohrschwerhörigkeit. Diese Art der Fehlhörigkeit hat ihren Ursprung meist in Umwelteinflüssen, Entzündungen, Infektionen oder wird durch die Eltern vererbt.

Der entstandene Schaden ist selten operativ oder medikamentös behandelbar. Bei einer Entzündungen kann durch die Einnahme von Antibiotikum lediglich der Vorgang verzögert oder letztendlich gestoppt werden. Die bis dahin entstandene Fehlhörigkeit ist jedoch nicht mehr rückgängig zu machen.

Der Grund dafür ist, dass der Schaden im Innenohr verursacht wird. Betroffen sind hier die Sinneshärchen in der Hörschnecke, die die mechanische Schwingung des Mittelohres in Nervenimpulse wandelt, oder aber der Hörnerv, welcher diesen Reitz zum Gehirn leitet. Bei der Otoskopie ist daher kein Schaden ersichtlich. Im Tonaudiogramm des Ohrenarztes oder Hörgeräteakustikers ist der Befund durch die Abweichung der Luft- und Knochenleitungsschwelle, in gleicher Weise, vom Normalwert zu erkennen. Bei der Messung der Sprachverständlichkeit ist auf dem betroffenen Ohr auch bei hohen Schallpegeln nur selten 100% erreichbar.

Anhand weiterer Tests kann man erkennen, ob die Schädigung am Hörnerv oder den Haarsinneszellen vorliegt. Hierzu nutzt man entweder den Fowler-, Lüscher- oder SISI-Test. Beim Fowler Test wird beispielsweise mit Hilfe des Patienten ermittelt, wann der Sinneseindruck eines Tones mit 20dB Schalldruck über der gemessenen Hörschwelle des besseren Ohres, auch auf der schlechteren Seite gleich laut scheint. Nach dem Einpegeln der beiden Ohren wird der Ton nun auf beiden Seiten immer um den gleichen Wert verstärkt. Wenn der Eindruck des Patienten proportional zu dem tatsächlichen Wert bleibt, ist das Innenohr völlig intakt. Sollte der Pegel beider Seiten mit zunehmender Lautstärke wieder auf einen identischen Wert gelangen, so ist der Schaden in der Hörschnecke, also den Sinneshärchen, zu lokalisieren. Sollte der Unterschied gleich bleiben oder aber an Abstand gewinnen, so ist der Hörnerv betroffen.


Schallleitungsfehlhörigkeit

Die auch unter den Namen Schalleitungsstörung oder Mittelohrschwerhörigkeit bekannte Schalleitungsfehlhörigkeit, betitelt eine Störung bei der Schallübertragung im Mittelohr oder dessen Verstärkung durch das Außenohr. Erkennbar ist sie optisch zum einen durch eher selten auftretende Missbildungen des Ohres und zum anderen häufig bei der Otoskopie. Fehlbildungen führen jedoch nicht zwingend zu Benachteiligungen bei der Schallwahrnehmung. Eine Schallleitungsfehlhörigkeit ist beispielsweise die Folge eines Lochs im Trommelfell oder fehlende Konnektivität oder Versteifung von Steigbügel, Hammer oder Amboss durch fehlerhaftes Wachstum oder Schäden durch äußere Einwirkungen.

Im Tonaudiogramm macht sich eine solche Art der Fehlhörigkeit dadurch bemerkbar, dass die Knochenleitungsmessung besser ausfällt als die Luftleitungsmessung. Die Stapediusreflexmessung kann Aufschluss über den Versteifungsgrad der Gehörknöchelchenkette erbringen. Durch die Tympanometrie, also die Messung der Druckverhältnisse im Mittelohr, wird hingegen ersichtlich, ob eine Versteifung des Trommelfells vorliegt. Im Sprachaudiogramm verschieben sich die Kurven für Worte und Zahlen parallel bei erhöhen der Dezibelwerten.

Ursachen der Schallleitungsfehlhörigkeit sind oftmals Verstopfungen im Gehörgang durch Cerumen, Narben, Entzündungen oder operative Eingriffe, Trommelfellzerreißung oder Otosklerose. Zudem sind auch Ergüsse im Mittelohr oder Tubenverschluss ein häufiger Grund.

Therapiemöglichkeiten sind zum einen Operationen, das Einnehmen von Antibiotika oder aber die Entfernung von Fremdkörpern im Gehörgang.


Kombinierte Fehlhörigkeit

Die kombinierte Schwerhörigkeit setzt sich aus der Schallleitungs- und Schallempfindungsfehlhörigkeit zusammen. Der Hörverlust ist dementsprechend oftmals sehr stark, da sich die Auswirkungen addieren. Hervorgerufen wird diese Beeinträchtigung durch chronische Mittelohrentzündungen und Otosklerose, bei der das Innenohr beteiligt ist. Zur Diagnose wird auch hier das Tonaudiogramm herangezogen.



Frühkindliche Fehlhörigkeit

Diese Art der Fehlhörigkeit ist in drei verschiedene Unterkategorien unterteilt. Unterschieden wird hier die pränatale1, die perinatale2 und die postnatale3 Schwerhörigkeit. Die Herkunft wird wiederum in erworben, genetisch bedingt und unbekannt aufgegliedert.

Infektionen wie Toxoplasmose, Zytomegalie, Röteln und Herpes sind gängige Ursachen für Schädigungen nach der Geburt. In der Schwangerschaft hingegen sind meist toxische, ernährungstechnische oder medikamentöse Auswirkungen ausschlaggebend. Genetisch bedingte Hörstörungen werden in non-syndromale und syndromale aufgeteilt. Syndromale weisen im Regelfall weitere Anomalien oder Missbildungen auf.

 

1 Während der Schwangerschaft erworbener Hörverlust

2 Bei der Geburt entstandener Hörverlust

3 Im Zeitraum nach der Geburt entstandener Hörverlust

 

 

Operative Maßnahmen

Im Gegensatz zu Innenohrfehlhörigkeiten kann man Schäden im Mittelohr operativ beheben. Das Trommelfell kann mit Hilfe von Haut, welche an anderen Körperteilen entnommen wird, rekonstruiert werden. Bei der Gehörknöchelchenkette sind die Prothesen aus Titan, Platin oder Teflon. Die Otosklerose kann mit Hilfe der Tympanoplastik und das damit verbundene Erstellen und Einsetzen eines Implantats, behoben werden. Auch Schäden, welche durch Entzündungen hervorgerufen wurden lassen sich so beseitigen. In 90% der Fälle ist eine deutliche Hörverbesserung bei der Schallleitung ersichtlich. Korrekturen am Außenohr, wie Verkrüppelungen und Missbildungen, können ebenfalls operativ durchgeführt werden. Bakterielle Infekte im Mittelohr werden hingegen mit Antibiotika behandelt und klingen meist ab. Fremdkörper, welche sich im Gehörgang festgesetzt haben und die Schallleitung verhindern, können durch das Ausspülen der Ohren oder kurze Eingriffe mit Pinzetten problemlos beseitigt werden.

Samstag, 9. Januar 2021

Einführung in die Welt des Tinnituses

Was ist ein Tinnitus und wie wird er ausgelöst, diagnostiziert und behandelt?

Allein über dieses Thema könnte man schon ganze Bücher schreiben und das ist auch schon passiert. Ich möchte hier grundlegend, und möglichst knapp und verständlich, eine Übersicht in die Thematik geben.

Tinnitus kann verschiedene Grade und Formen annehmen und ebenso viele verschiedene Ursachen haben. Die akustische Empfindung reicht von Klopfen, Pfeiffen und Rauschen bis hin zu Pochen, Klirren und Brummen. 

Zudem kann er zur Begleitung nahezu jeder Ohrenkrankheit werden. Bei bekannter Ursache spricht man von symptomaitschen, andernfalls von idiopathischen Tinnitus. Ohrgeräusche, welche synchron zum Puls auftreten weisen auf blutgefäßbedingte Auslöser hin. Unterschieden wird zudem der akute und der chronische Tinnitus1


1
Chronischer Tinnitus beschreibt Ohrgeräusche die länger als 3 Monate anhalten, darunter werden sie als akuter Tinnitus bezeichnet.

 

Auslöser

Als Auslöser für Tinnitus gibt es heute viele mögliche Faktoren. Darunter zählen:

- Stress
- Hörsturz
- psychische Belastungen
- Verspannungen
- Knirschen mit den Zähnen
- Hörverlust
- Knalltrauma
- Schädel-Hirn-Trauma
- Multiple Sklerose
- etc. pp.

 

Diagnose

Der/die Betroffene wird wohl zu allererst merken, dass ein Tinnitus vorhanden ist. Die Diagnose stellt der Hals-Nasen-Ohrenarzt. Dazu untersucht er optisch das Ohr, führt eine Befragung zur subjektiven Belastung durch und macht eine Audiometrie. Bei der Befragung sind Häufigkeit, Dauer, Geräuschart und die Beeinträchtigung im Alltag vordergründig. Die Audiometrie kann Auschluss über die Tonhöhe und Lautstärke geben, sofern es ein gleichbleibender schmalbandiger Ton ist. Durch die Ergebnisse ist eine Klassifizierung nach Biesinger möglich. Hierbei wird der Schweregrad folgendermaßen festgelegt:


Grad I
Leichtgradiger Tinnitus, der kaum wahrnehmbar bzw. nicht belastend ist.

Grad II
Mittelgradiger Tinnitus, der im Alltag keine weiteren Beeinträchtigungen zur Folge hat, aber z.B. bei Stress stärker und belastend wird.

Grad III
Schwergradiger Tinnitus, mit dauerhafter Beeinträchtigung in kognitiver und köperlicher/beruflicher Leistungsfähigkeit.

Grad IV
Sehr schwergradiger Tinnitus mit enormen Beeinträchtigungen der Lebensqualität und Arbeitsunfähigkeit.


Die meisten Patienten können nach eigener Aussage in Kategorie eins oder zwei einsortiert werden. Gruppe drei und vier ergeben sich aus den psychosomatischen Folgeerscheinungen des Patienten. Von anfänglichen Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen gehen die Folgen bis hin zu Suizidabsichten. Letzteres wird durch die subjektiv als unerträglich beschriebene Lautheit hervorgerufen. Fast jeder ist in seinem Leben mehr oder weniger von Ohrgeräuschen betroffen.


Behandlung

Die Behandlung ist abhängig vom Schweregrad und der Ursache und daher sehr individuell. Typische Ansätze bei Grad I - II sind bswp. Infusionen, Druckkammern, Tinnitusnoiser, Hörgeräte, Entspannungsübungen, Physiotherapie, Aufbißschienen usw. Ab Grad III sollten auch psychotherapeutische Behandlungen in Erwähgung gezogen werden. 

Eine weitere Möglichkeit gegen Tinnitus ist die Tinnitus-Retraining-Therapie, kurz TRT. Diese beschäftigt sich mit der gezielten Verdrängung des Ohrgeräusches aus dem Bewusstsein des Patienten und lehrt so den alltäglichen Umgang. Grundlage dieser Therapie ist das Neurophysiologische Modell nach Professor Jastreboff (USA), laut dem die Lautheit eines Tinnitus mit einem negativen Lernprozess einhergeht. Eine Heilung verspricht dieser Ansatz jedoch nicht.

Sofern ein Hörverlust vorliegt, kann ein Hörgerät meist schon Linderung bringen, da das Ohr wieder mehr wahrnehmen kann und dadurch vom Ohrgeräusch abgelenkt wird. Ähnliches leistet ein Tinnitusnoiser, der ebenfalls das Ohr von Tinnitus entwöhnen/ablenken soll. Eine Kombination aus beidem ist ebenfalls eine Option, wobei hier das Noisersignal situativ eingestellt werden kann. Das heißt, sobald es außen lauter wird, wird das Signal leiser. Somit beeinträchtigt es nicht das allgemeine Hörvermögen. Auch diverse Apps bieten einstellbare Klangkulissen zur Entspannung und Ablenkung. Oft wird der Tinnitus in akustisch ruhigen Situationen stärker wahrgenommen. Daher empfiehlt sich auch beim Einschlafen ein Rauschgenerator, der bspw. enstpannendes leises Meeresrauschen erzeugt. 




Freitag, 8. Januar 2021

Was ist Kompression bei Hörgeräten?

Was ist Kompression und wie funktioniert diese?

Hörgeräte müssen die Lautstärke recht genau an den Hörverlust anpassen können. D.h., dass für jede einstellbare Tonhöhe ein Verstärkungswert hinterlegt ist. Wäre der Artikel hier zuende, würde es sich um eine lineare Verstärkung handeln. Tatsächlich unterscheiden Hörsysteme, wie laut ein Schallereignis ist. Spricht jemand mit leiser Sprache, wird i.d.R. mehr Verstärkung zugelassen, schreit dich aber jemand an, reduziert es die Verstärkung oder deckelt den Ausgangsschalldruck vollständig. Natürlich hängt es auch vom Lautsprecher ab, wieviel Lautstärke er technisch umsetzen kann. Am technischen Limit spricht man daher nicht von einer Begrenzung, sondern von einer Verzerrung (Leistungsgrenze). Diese wird in der Praxis jedoch eigentlich nur noch bei Rückkopplungen (Dauerpfeiffen) erreicht. 

Besonders wichtig ist diese Funktion bei Schallempfindungsstörungen. Hier hört der/die Betroffene Töne später, empfindet sie aber oft deutlich früher auch als unangenehm. Die Restdynamik, also der Bereich, in dem ein "normales" Hören realisiert werden kann, ist kleiner als bei einem Normalhörenden. Das Hörgerät muss also die Töne verstärken, ab einer bestimmten Lautstärke aber weniger und letztlich den Ausgang ganz begrenzen. Auch bei anderen Hörverlusten oder Hörsituationen kann diese Funktion natürlich für mehr Hörbarkeit sorgen. Sie muss aber individuell justiert werden. Hier gibt es keine Pauschaleinstellung.

Wichtig sind auch die Ein- und Ausschwingzeit (Regelzeiten). Konkret heißt das, wie schnell das Hörgerät komprimiert und wie schnell es die Kompression wieder "abschaltet". Wichtig wird dieser Faktor in Abhängigkeit vom Schallereignis. Sprache benötigt geringere Werte als Nebengeräusche.


Schematische Darstellung einer Kompression



 


Donnerstag, 7. Januar 2021

Was passiert im Fachgeschäft?

Was passiert im Fachgeschäft?

Die Angst vor dem Unbekannten kann einen in allen Situationen hemmen. Da wir bisher schon einiges über einzelne Teile einer Versorgung aufgezeigt haben, möchte ich hier nochmal einen kurzen Überblick über den schematischen Verlauf geben. Natürlich ist dieser nicht in Stein gemeißelt, entspricht aber einem gängigen Ablaufplan. Jeder Akustiker nutzt ggf. andere Anpassmethoden, macht vorher oder nachher Ohrabdrücke oder nutzt andere Beratungstools. Auch der grundlegende Ablauf kann sich ändern, wenn die Umstände es erfordern. Beispielsweise wenn der Kunde nicht sprechen kann, eine Sonderversorgung notwendig ist oder es nur eine Seite betrifft. Die Ausprobe umfasst i.d.R. mehrere Hörsysteme, wodurch sich der Punkt natürlich mehrmals wiederholen mag. Übrigens ist nicht jedes Feld ein einzelner Termin. Anamnese bis Ohrabdruck wird oft schon im ersten Termin abgearbeitet. Zwischen den anderen Feldern muss und sollte jedoch etwas Zeit verstreichen.

Ob eine Verordung, Versorgungsanzeige und Abnahme notwendig ist, ergibt sich aus der Art der Versorgung und wird der Akustiker dir mitteilen.

Da du im Regelfall auch zum HNO musst (egal ob vor oder nach einem Termin bei dem Akustiker), habe ich diese Spalte als "aktiv" gekennzeichnet. Bei der Krankenkasse kümmert sich der Akustiker um die Formalitäten, daher ist es für dich "passiv".

Bei privaten Krankenversicherungen kann der orange Teil übernommen werden. Den Part der Krankenkasse ist allerdings hier auch aktiv. Rechnung und Anpassbericht händigt der Akustiker dir nach erfolgreicher Anpassung aus. Was du sonst noch benötigst, sagt dir die Krankenversicherung.


Anamnese

Als ersten Schritt wird der Akustiker ein paar medizinische und versorgungstechnische Fragen mit dir durchegehen. Dazu zählt bspw. ob du bereits Hörgeräteträger/in warst, dein subjektiver Höreindruck, medizinische Vorgeschichten in Bezug auf die Ohren (Operationen, Medikamente, Tinnitus), die subjektiven Schwierigkeiten beim Hören, mögliche Ursachen der Hörminderung usw.


Audiometrie

Anschließend folgt die Hörmessung. Diese schließt den Hörtest über die Luft- und Knochenleitung ein, eine Messung der Schwelle, an dem Töne unangenehm laut werden und eine Sprachmessung. Im Regelfall wird hier das Sprachverstehen von 30 - 70% für mehrsilbige Zahlworte ermittelt und folgend auch hier die Schwelle, ab dem Sprache unangenehm laut wird. Zwischen diesen beiden Werten wird das Sprachverständniss für einsilbige Worte bei 65, 80 und 95dB gemessen. Eventuell erhöht der Akustiker die Lautstärke weiter, wenn es die Dynamik des Ohres zulässt. Hier kann er bereits einschätzen, wieviel Sprachverstehen mit Hörsystemen in etwa möglich sein wird. Meist wird auch das Sprachverstehen mit beiden Ohren bei 65dB (über Lautsprecher) noch zusätzlich gemessen, um diesen Referenzwert später mit Hörgeräten vergleichen zu können.

Beispiel für einsilbige Worte: Haus, Baum, Katze, Schnee....
Beispiel für mehrsilbige Zahlworte: Siebenundvierzig, einundachzig, vierunddreißig...

Messtöne: Meist gleichbleibende Sinustöne, Rauschen oder schwingende/pulsierende Töne möglich, wenn bspw. ein Tinnitus vorliegt.

Beratung

Anhand der gewonnen Daten und Aussagen kann eine Beratung erfolgen. Oft werden hierzu weitere Fragebögen eingesetzt, die das subjektive Empfinden und die subjektiven Anforderungen weiter spezifizieren sollen. Es gibt über 2000 Hörgeräte auf dem Markt, so dass hier eine erste Kanalisierung erfolgen kann. Der Akustiker sollte hier die Funktionen und Eigenschaften des Hörsystems deinen Bedürfnissen recht konkret zuordnen. Das heißt, wenn du viel Fahrrad fährst, sollte er eine Windgeräuschunterdrückung empfehlen usw. Ist eine Auswahl getroffen, folgt ggf. der Ohrabdruck.
Hier wird dir auch gesagt, ob eine Vorstellung beim Ohrenarzt (sofern noch nicht geschehen) notwendig ist.


Ohrabformung

Der Akustiker wird sich zuerst ein Bild von Ihrem Ohr machen, ganz unspektakulär, mit seinen Augen und Händen. Wichtig ist bei dieser ersten "Sichtung", eventuelle Deformierungen, Verletzungen oder Operationen zu erkennen, sowie die Festigkeit des Gewebes zu erfühlen und die Größe des Gehörgangs einzusehen.
In einem Weiteren Schritt wählt er einen passenen Trichter für das Otoskop aus und schaut Ihnen damit in den Gehörgang. Dazu stützt er die Hand mit dem Otoskop an ihrem Kopf ab und zieht leicht an der Ohrmuschel um den Eintritt in den Gehörgang etwas zu begradigen. Hier wird geschaut, ob ebenfalls Verletzungen, Operationen, Deformationen oder sonstige Beeinträchtigungen vorliegen, die besondere Vorsicht bei der Abdrucknahme fordern oder diese unmöglich machen. Auch der Haarwuchs ist hier wichtig.
Folgend bereitet er eine Tamponade vor. Entweder händisch (meist Viskosewatte) oder durch die Auswahl einer vorgefertigten Größe (meist Schaumstoff). Diese ist mit einer kleinen Schnur verbunden, die es ermöglicht, die Watte bei falschem Sitz wieder zu entfernen. Nun wird die Tamponade, mit Hilfe einer Pinzette, am Anfang des Gehörgangs platziert und mit einem Leuchtstab, bis an die gewünschte Stelle, weiter eingeführt. Da diese relativ weit eingesetzt wird, kann es manchmal zu Hustenreitz kommen, was anatomisch bedingt ist und keine Gefahr darstellt. Es wird der Sitzt und die Dichtigkeit mittels Otoskop geprüft. Der Zweck dahinter ist der, dass die Abdruckmasse, welche nun in den Gehörgang "gespritzt" wird, durch die Watte gestoppt wird. 

Eine Abdruckpistole/Abdruckspritze wird mit einer Kanüle bestückt. Der Akustiker platziert diese nun ein Stück im Gehörgang und Stütz seine Hand erneut an Ihrem Kopf ab. Mit leicht kreisenden Bewegungen (und der Aufforderung Kaubewegungen zu machen), wird der Gehörgang und das Außenohr nun ausgefüllt. Es wird meist noch eine Folie von außen aufgedrückt um die Masse zu verteilen und einen sauberen Abschluss hinzukriegen. Es dauert ca. 4-5 Minuten bis die Masse so fest ist, dass sie in einem Stück vorsichtig aus dem Ohr "gedreht" wird. Während des Aushärtens kann es sich leicht warm anfühlen, da die Komponenten des Materials miteinander chemisch reagieren. 

Hat alles geklappt, ist der Abdruck fertig und der Akustiker kontrolliert ein letztes Mal den Gehörgang mit dem Otoskop.

Auch wenn es niedergeschrieben lang aussieht, ist es nur ein Routineakt von ca. 15 Minuten.

Anpassung

In einem weiteren Termin werden die mit dir zusammen ausgewählten Hörsysteme angepasst. Es wird kontrolliert, ob die Ohrstücke/Hörgeräte richtig sitzen. Dann folgt eine erste Justierung. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Oft wird erneut ein Hörtest über die Hörsysteme gemacht (Insitu-Audiometrie), um den Höreindruck mit den Hörgeräten zu ermitteln. Auch Klangbeispiele werden hier oft eingesetzt, bei denen der subjektive Eindruck bewertet werden soll. Es folgt eine Rückkopplungsmessung, bei der die Geräte kurz rauschen, brummen oder verschiedene Tonhöhen durchgehen. Hier sieht der Akustiker, ob die Versorgung so akustisch funktioniert und die Geräte nicht pfeiffen. Auch eine Sondenmessung (bspw. Percentilanalyse) oder andere Verfahren (bspw. Lautheitsskallierung) können hier zum Einsatz kommen. Sofern Signaletöne im Hörgerät aktiviert sind, wird der Akustiker auch diese noch einmal vorspielen.

Ist die Einstellung an deine Bedürfnisse angepasst, wird dir natürlich noch die Handhabnug und Pflege gezeigt und erklärt.

Kontrolle

Bei einem Kontrolltermin (meist 7 - 14 Tage später) wird deine gesammelte Erfahrung besprochen und die Geräte ggf. nachjustiert, die Ohrstücke nachbearbeitet oder sonstige Veränderungen vorgenommen. Das Procedere kann natürlich mehrfach durchgeführt werden, da jede Nachjustierung nochmal getestet werden sollte. Auch ein Wechsel der Hörgeräte steht dir natürlich frei, sodass auch eine erneute Anpassung möglich ist.

Abschlussmessungen

Wenn alles passt, werden die für die Krankenkasse benötigten Abschlussmessungen durchgeführt. Diese beinhalten das Sprachverstehen über die Lautsprecher bei 65dB mit beiden Ohren in ruhiger Umgebung, mit 60dB Störschall und den Unterschied zwischen einem und beiden versorgten Ohren.
Nun muss auch der Ohrenarzt die Geräte noch "abnehmen" und die Zweckmäßigkeit bestätigen. Dies geschieht oft durch einen "vorher-nachher-Fragebogen" und ebenfalls einer Messung zum Sprachverstehen. Ist alles erledigt, folt noch ein wenig Papierkram und die Verorgung wird abgeschlossen. Dennoch sind natürlich weitere Justierungen möglich, die meist im Rahmen von festgelegten Serviceintervallen durchgeführt werden.

 



 schematische Darstellung eines Anpassablaufs

Mittwoch, 6. Januar 2021

Akku oder Batterie?

Was ist günstiger, was ist einfacher?

Diese Frage zählt aktuell zu den meist gestellten. Nicht ohne Grund. Die Industrie setzt vermehrt auf Akku-Varianten, die natürlich Aufpreise kosten. Meist ist es eine reine Komfortsache, da der Batteriewechsel natürlich nervig sein kann oder motorisch einfach nicht möglich. Da ist ein Akku und eine Ladeschale, in die man die Hörgeräte über Nacht einfach reinstellen kann, deutlich angenehmer. Ein anderer Aspekt ist natürlich die Nachhaltigkeit. Wir stellen mal beides gegenüber:


Die Batterie

Die Laufzeit der Batterien/Akkus ist natürlich von der Größe (10, 312, 13 oder 675) abhängig und zum anderen von der Tragezeit, der Lautstärke und diversen Zusatzfunktionen. Hochwertigere Geräte kommunizieren nicht nur mit Streaming-Geräten oder Smartphones, sondern auch untereinander. Das frisst Strom!

Werte:
Spannung: ca. 1,4 V
Kapazität: 100 - 650 mAh (10er - 675er)

Finanziell nutze ich gern ein Beispiel:

Gehen wir mal von einer geringen Laufzeit einer Batterie von drei Tagen aus. (Das ist eigentlich nur bei der 10er-Größe realistisch). Jetzt gucken wir nach Markenbatterien aus Deutschland im Internet und finden 60 Stück für rund 15,-€. Zudem gehe ich von zwei Hörgeräten aus, benötige also 20 Batterien pro Monat, was 5,-€ Kosten entspricht. Auf das Jahr gesehen sind es also 60,-€ und auf einen Versorgungszeitraum von insgesamt sechs Jahren 360,-€ für BEIDE Seiten.

Batterien können übrigens recycled werden und überall dort, wo man Batterien erwerben kann diese auch abgeben.

 

Der Akku

Die Akkuvarianten kosten einen Aufpreis von bis zu 500,-€ (Pro Gerät) inkl. Akku und Ladestation. Die Hersteller geben aktuell übrigens nicht mehr als 24 Monate Garantie auf die Kapazität der Akkus. Wenn diese fest verbaut sind, müssen die Hörgeräte zum Erneuern weggeschickt und das ganze bezahlt werden. Das hängt jetzt davon ab, ob dieser Service inklusive ist, oder eben nicht. Der Rest erklärt sich von selbst.

Der "Inernet-Joker" zählt hier natürlich auch, denn es gibt auf dem freien Markt auch Akku-Varianten für Hörgeräte zu erwerben. Die Kosten belaufen sich auf ca. 25,-€ für zwei Stück und die Ladestationen zwischen 60,-€ und 90,-€. Gehen wir von einem jährlichen Wechsel aus, wäre der Gesamtbetrag nur noch 240,- €. Die Fummelei ist allerdings etwas mehr. Auch die Kapazität ist hier deutlich geringer, wodurch ein häufigeres Laden nötig wird. Fest verbaute Akkus haben da eine deutlich höhere Laufzeit. Empfehlenswert ist also ein Ersatzakkupaar, da man mit einem in den seltensten Fällen einen ganzen Tag übersteht. Das würde den Kostenfaktor um 150,-€ auf 390,-€ erhöhen.

Werte:
Spannung: ca. 1,2 V
Kapazität: 11 - 68 mAh (10er - 675er)
 
 

Dienstag, 5. Januar 2021

Warum und welche Hörgerätebatterien?

Hörgerätebatterien: Größe, Laufzeit und Preise

Es gibt vier verschiedene Hörgerätebatterien, die sich in der Größe und Laufzeit unterscheiden. Mittlerweile basieren wohl alle auf der "Luft-Zink-Technik". Die Batterie reagiert mit Sauerstoff, der durch das Ablösen des Aufklebers in die Batterie strömt. Ab da entläd sich die Batterie, auch ohne genutzt zu werden. Natürlich außerhalb des Hörgerätes deutlich langsamer, aber der Sauerstoffanteil, der in der Batterie vorhanden ist, reagiert kontinuierlich weiter. Ein erneutes "Abdichten" der Sauerstofflöcher hat also auch keinen Effek. Die Preise variieren stark, da man sie nicht nur beim Fachgeschäft, sondern auch im Technik- oder Supermarkt, sowie diversen Apotheken und Internet beziehen kann.
Die Laufzeit (Kapazität) ist maßgeblich von den mAh (Milliamperestunden) abhängig, welche bei den jeweiligen Batterietypen nahezu identisch ist.

Warum eigentlich keine Uhrenbatterien?

Die Antwort ist einfach. Uhrenbatterien haben eine andere Spannungskurve. D.h. sie verlieren linear an Leistung, wohingegen Hörgerätebatterien die Leistung möglichs lange bei 1,4 - 1,2 Volt halten und dann abrupt abfallen. Das ist notwendig, weil Hörsysteme nur bis zu einer Spannung von ca. 1,2 Volt funktionieren.

 

Schematische Darstellung des Spannungsverlaufs

 

Die Richtwerte der Laufzeit sind heute nur noch Anhaltspunkte. Besonders durch Streaming per Bluetooth wird deutlich mehr Strom benötigt, als früher. Auch kommunizieren viele Hörgeräte untereinander, sodass auch diese Funkverbindung Strom verbraucht. Ansonsten sind natürlich die Lautstärke, die tägliche Tragedauer und die Funktionen der Hörsysteme ausschlaggebend. Daher kommen die größten von allen, die 675er, nur bei sehr starken Hörgeräten zum Einsatz. Bei anderen Systemen ist es immer ein Kompromiss zwischen Größe (Auffälligkeit) und Laufzeit.


Größe                   Laufzeit ca.            Packungseinheit          Preisspanne ca.

10 (gelb)               3 - 4 Tage               Meist 6-8 / Blister         1,00 - 8,00€

312 (braun)          5 - 7 Tage               Meist 6-8 / Blister         1,00 - 8,00€

13 (orange)          7 - 10 Tage             Meist 6-8 / Blister         1,00 - 8,00€

675 (blau)           10 - 14 Tage             Meist 6 / Blister             1,00 - 8,00€  


Offen oder geschlossen?

Eine Wissenschaft für sich?! Dieses Thema ist wohl eins der am meisten diskutierten in der Hörgerätebranche. Hier fachsimpelt man gern mit K...