Sonntag, 28. Februar 2021

Direkt- und Diffusschall

Warum versteht man in halligen Situationen schlechter?

Im Groben und Ganzen kann man diese Tatsache als völlig normal abtun. Jeder braucht in halligen Situationen mehr Konzentration um sich zu verständigen. Warum das so ist und warum es Hörbeeinträchtigten noch schwerer fällt, möchte ich anhand folgender Grafik erklären.


 

Schematische Darstellung von Direkt- und Diffusschall

 
 

 

Die Stimme des Sprechers breitet sich omnidirektional, also kreisförmig aus. Ähnlich wie die Wellen des Wassers, wenn man einen Stein hinein schmeißt (Longitudinalwelle), nur in alle Dimensionen (Transversalwelle). Diese Schallwellen treffen zum Teil direkt beim Hörer ein. Das ist der recht unverfälschte Direktschall. Der Schall, der sich in die anderen Richtungen ausbreitet, wird (besonders an harten Oberflächen) reflektiert und somit zu Diffusschall. Dabei verliert er zwar jedesmal einen Teil seiner Energie, wird aber zeitlich verzögert und nahezu unendlich Mal "kopiert". Je weiter man sich nun vom Direktschall (Sprecher, Lautsprecher, Bühne etc.) entfernt, desto mehr überwiegt der Diffusschall und umso unverständlicher wird das Gehörte. Was und wie viel tatsächlich reflektiert wird ist abhängig davon, um welche Frequenz und Lautstärke es sich handelt, wie viele gerade Flächen es gibt und welche Materialien verbaut wurden. Kirchen, Treppenhäuser und Turnhallen sind klassische Beispiele für hallige Räume. Auch mit Hörgeräten ist Hall ein Problem. Zwar kann dieser technisch etwas reduziert werden, aber nicht ganz beseitig. Dies geschieht z.B. durch Änderung der Richtwirkung und Absenkung leiser Eingangspegel.





Als Hörtaktik zählt daher, dass man sich möglichst nah an die Direktschall-Quelle begeben sollte. So verringert man das ungewollte Durcheinander. Ist dies nicht möglich, können Induktionsschleifen, FM-Anlagen und Streaming-Mikrofone den Ton direkt auf die Hörgeräte übertragen.



Montag, 22. Februar 2021

Aktuelle Information: Markteinführung

Markteinführung des Roger Focus II und Naida Paradise von Phonak


Roger Focus II:


Der heute eingeführte Nachfolger der I-Generation hat nun auch eine Akku-Variante. Der kleine HdO-Empfänger kann mit allen Roger-Mikrofonen verwendet werden und überträgt so die Sprache über größere Distanz.

Enwickelt wurde er speziell für Kinder, Jugendliche und Erwachsene die bspw. an einseitiger Hörminderung, Autismus-Spektrum-Störung (ASS) oder auditiver Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung leiden.

- Laufzeit des Akkus: Bis zu 20 Stunden
- IP68-Zertifizierung: Ja, Staub und Wasserresistent
- Kindersicheres Batteriefach
- Für Kinder ab 3 Jahren

Roger Focus II R - für mehr Infos aufs Bild klicken (Quelle: Phonak Hörgeräte)

 

 

Naida Paradise:

Das Naida ist ein Hörsystem der Firma Phonak zum Ausgleich von leichten bis hochgradigen Hörverlusten. Seit heute ist auch in dieser Geräteserie der neue "Paradise Chip" erhältlich. Ebenso gibt es hier eine Akku-Variante.


Naida PR - für mehr Infos aufs Bild klicken (Quelle: Phonak Hörgeräte)

Sonntag, 21. Februar 2021

Warum diese großen Preisunterschiede?

Hier 500€, da 1000€?!

Viele bezeichnen die Hörgerätebranche als "undurchsichtig" in ihrer Preisgestaltung und in gewissem Maße ist das auch ein Fakt. Ich möchte hier aber einige Gründe aufzeigen, die für die teils gravierenden Preisunterschiede verantwortlich sind.


Firmenphilosphie:

Die Firmenphilosophie spielt eine nicht unerhebliche Rolle bei der Preisgestaltung. Manche Betriebe ringen nur um Marktanteile und gehen daher mit Dumpingpreisen auf den Markt. Das hat den Vorteil, dass sie schnell und viele Kunden generieren und der Marktwert des Unternehmens steigt. Das ist natürlich besonders dann sinnvoll, wenn es sich um eine Aktiengesellschaft handelt. Das hat nicht unbedingt einen qualitativen Verlust zur Folge, lediglich die Gewinnmargen werden an ein Minimum verschoben. Oft ist das nur machbar, weil die Abteilung durch andere Abteilungen des Unternehmens (bspw. Optik) mitgetragen wird. 

Onlineakustiker hingegen unterhalten selbt keine Läden und sind, wenn sie keine Partnerakustiker anbieten, auch meist nicht in Zusammenarbeit mit den Krankenkassen. im Zweifel lässt sich hier Geld, aber auch sehr viel Service und Qualität sparen. Die Geräte werden aufgrund des Hörtests vom Ohrenarzt voreingestellt und so an den Kunden verschickt. Nachjustierungen per Fernwartung können nicht mit vorgeschriebenen und objektiven Messverfahren verifiziert werden. Die Normmessungen sind generell nicht möglich, wodurch auch eine Abrechnung mit den Krankenkassen nicht oder nur schwer machbar ist. Serviceleistungen (bis auf Nachjustierung per Fernwartung) fallen auch weg. Ist ein Gerät defekt oder auch nur verstopft, kann kein Akustiker sich das mal eben ansehen, sondern es muss per Post versandt werden. Für die Reparaturzeit gibt es auch kein Leihgerät. Auch ist eine individuelle Otoplastik nicht machbar und es wird mit Provisorien oder Domes gearbeitet. Eine Anamnese, Bedarfsanalyse, Beratung und die kompletten audiologischen Messungen (auch Nachmessen) sind hier oft auch kein Bestandteil der Leistungen. So fällt zwar der Zuschuss der Krankenkasse weg, aber auch ein erheblicher Kostenaufwand. Besteht jedoch eine Zusammenarbeit mit Krankenkassen, so sind natürlich auch Onlineakustiker an die Verträge gebunden und müssen Partnerakustiker unterhalten. Dennoch ist es unterm Strich günstiger, als eigene Läden bereit zu stellen.
 

Ähnlich ist es im verkürzten Versorgungsweg. Hier werden Geräte von Akustikern direkt beim Ohrenarzt vertrieben. Das Personal dafür wurde von Akustikern geschult, ist aber selbst nicht ausgebildet. Die Akustiker dürfen am Patienten allerdings keine Hand mehr anlegen, da dies als Korruption zählt. Somit beraten und versorgen die Arzthelferinnen. Hier spart man sich ebenfalls Unterhaltskosten, kann aber mit den Kassen abrechnen, weil alle erforderlichen Untersuchungen und Messungen durchführbar sind. Der Erlös wird nach Absprachen zwischen Praxis und Akustiker aufgeteilt. "Verkürzter Versorgungsweg" heißt aber auch, dass hier viel Zeit gespart wird. Für diese Spezialform gibt es übrigens gesonderte Versorgungsverträge, allerdings nicht mit allen gesetzlichen Krankenkassen.


Marketing:

Man sieht es immer häufiger: Hörgerätewerbungen. Ähnlich wie der Kauf von Markenrechtslizenzen, werden auch gern Schauspieler oder andere Promis als Aushängeschild "gekauft". Werbung ist teuer und bezahlt sich nicht von alleine. Ergo sind die Hersteller mit den größten Werbekampagnen auch von Hause aus nicht selten etwas hochpreisiger.


Die Masse machts:

Der Absatz spielt natürlich ebenso eine entscheidende Rolle. Wenn ein kleiner Akustikbetrieb vier Geräte im Monat beim Hersteller abnimmt, kriegt er andere Konditionen, als eine Kette, die 200 auf einen Schlag einkauft. Um bessere Einkaufspreise zu verhandeln, haben sich besonders kleine Ketten und Einzelbetriebe in diversen Einkaufsgemeinschafen zusammengetan. Die bekanntesten sind wohl die Meditrend EG und die Hörex EG. 


Eigenvertrieb:

Seit  2007 ist die Phonak-Gruppe zur Sonova-Gruppe umbenannt worden und kauft seither gern Akustikbetriebe auf. Auch andere Hersteller steigern so ihre Absatszahlen. Es wundert daher nicht, dass Fachgeschäften, die von den Herstellern unterhalten werden, auch günstigere Konditionen anbieten können, auch wenn sie dies nicht immer tun.

 

Was hängt am Preis dran?

Die bereits genannten Faktoren sind größtenteils variabel. Was aber nicht wirklich variabel ist, sind die Fixkosten und Serviceleistungen. Der Preis eines Hörgerätes beinhaltet mindestrens sechs Jahre lang Serviceleistungen wie Reinigung, Hörtests, Nachjustierungen und ggf. Kleinteile. Auch das Personal, der Strom, die Ladenmiete, Ausstattungen und Versicherungen müssen gezahlt werden. Es gibt aber auch Kosten, die für den Leien nicht ersichtlich sind. Dazu zählen bspw. Begehungen durch die Berufsgenossenschaften, Kalibrierung und Kontrolle der medizinischen Messgeräte, Präqualifizierungen durch die Krankekasse, Mitgliedsbeiträge an die Bundesinnung und Schulen, regelmäßige Schulungen des Personals (vorgeschriebenes Punktesystem), ggf. Einführung und Aufrechterhaltung eines Qualitätsmanagementsystems (momentan nicht gefordert) usw. Da es sich bei Hörgeräten um Medizinprodukte handelt, sind die einzuhaltenden Standards hoch und klar definiert.


Wichtig ist, dass man sich gut aufgehoben fühlt. Sparen allein ist nicht immer der beste Weg, denn auch die Messeinrichtungen und das Personal können in der Qualität schwanken. Nicht jedes Messsystem ist Vorschrift. Andersum ist hochwertig natürlich auch nicht immer besser. Aber das ist ein anderes Thema.


Sofern ihr Preise unterschiedlicher Akustiker vergleichen wollt, denkt bitte daran, dass die Preise auch innerhalb der gesetzlichen Krankenkassen und zwischen gesetzlicher und privater Versicherung unterschiedlich sind/sein können. Auch ist es wichtig zu fragen, was alles im Hörgerätepreis integriert ist. Beispielsweise Batterieversorgung, Garantieverlängerungen, Pflegemittel usw. oder ob Kleinteile bei Serviceterminen einzeln berechnet werden. Der reine Gerätepreis ist nicht 1:1 vergleichbar!

Sonntag, 14. Februar 2021

Kinnbügelhörer für den Fernsehton

Kinnbügel für den Fernseher

Oft kommt hörbeeinträchtigten Menschen die Klangqualität der Spielfilme grausig vor. Natürlich ist das auch abhängig vom TV-Gerät, dem alter des Films/der Serie und ob es synchronisiert oder direkt aufgenommen wurde. Dennoch hat man hier früher wohl auch keine Probleme gehabt. Hintergrundmusik, Kaugeräusche oder andere ablenkende Faktoren, verschlechten das Verständnis zusätzlich. Hat man schon alle Hörpfofile des Fernsehers und der Hörgeräte durchprobiert, hat keine Streaming-Geräte für den Fernsehton und möchte dennoch eine Verbesserung, kommen oft Kinnbügel-Kopfhörer zum Einsatz. Diese sind, von den hier aufgeführten Herstellern, extra für Schwerhörige konzipiert worden. Vor dem Kauf empfehle ich die Anschlüsse am Fernsehgerät noch einmal nachzusehen. Auch, ob der Fernsehton bestehen bleibt, wenn ein Kopfhörer genutzt wird. Manche Fernseher können nur entweder oder.
Zwei Varianten der Kinnbügelkopfhörer habe ich in folgender Tabelle gegenübergestellt. Die Preise sind die unverbindlichen Preisempfehlungen/Listenpreise der Hersteller. 

Für eine größere Ansicht einfach aufs Bild klicken.
 



Weitere Informationen und Varianten (auch geschlossene Kopfhörer) gibt es hier:

zur Sennheiser-Website

zur Humantechnik-Website


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15.02.2021 aktualisiert. RS 2000/5000 getauscht mit SET 860/880


Montag, 8. Februar 2021

Interaktiver Hörgerätevergleich

Die große Ausqual

Die Überschrift entstammt einem neuen Projekt, welches von der berliner Lehrerin Anja B. ins Leben gerufen wurde. Auf Ihrer Internetseite (Link) "Hörgeräte - die große Ausqual" bietet sie ein interaktives Vergleichsportal an. Hier hat jeder die Mögichkeit, seine Erfahrungen zu bestimmten Geräten niederzuschreiben. Somit können Erfahrungen gebündelt, und direkte Vergleiche für Interessierte gezogen werden.

Das Ganze ist nach Herstellern sortiert und mit genauen Bezeichnungen versehen. Auch die Preisklassen und objektive Ausstattungen können angegeben werden.

Jeder kann Kommentare zu bereits bestehenden Bewertungen einfügen oder aber eine völlig neue Bewertung erstellen. Je mehr, je besser. Hörgeräte sind natürlich dennoch sehr subjektiv, aber vielleicht zeichnet sich ein durschnittlicher Erfahrungswert ab und hilft dem ein oder anderen eine Übersicht zu erlangen.

Wer sich beteiligen mag sollte bitte auf die genaue Bezeichnung achten. BTE ist bspw. eine andere Bauform als RITE. LP eine andere Hörerstärke als MP. Je genauer, desto besser der Vergleich. IdR findet ihr die Bezeichnung auf dem Kostenvoranschlag, und/oder einem Aufkleber in der Batterieklappe bzw. einem Aufdruck am Gerät.


Sonntag, 7. Februar 2021

Der Stapediusreflex

Was ist der Stapediusreflex?

Der Stapediusreflex ist ein Reflex, welcher dem Schutz des Innenohres dient. Er wird bei Schallpegeln von 70 – 95 dB ausgelöst und sorgt dafür, dass nicht mehr der gesamte Schall über die Gehörknöchelchenkette in das Innenohr gelangt, sondern ein Teil am Trommelfell reflektiert wird. Hierzu wird die Ankopplung des Trommelfells an das Innenohr mit Hilfe des „Musculus stapedius“ verschlechtert. Schon 50ms nach Beginn der Reaktion ist dieser Vorgang auf beiden Ohren zu beobachten. Selbst bei einseitigem Auftreffen zu lauten Schalls, werden beide Reflexe ausgelöst.

Die Reflexschwelle kann anhand einer luftdicht platzierten Sonde im Ohr festgestellt werden. Der Reflex wird durch Töne mit einstellbarer Lautstärke ausgelöst. Die nun am Trommelfell reflektierten Schallwellen können mit Hilfe eines Mikrofons gemessen und anschließend grafisch dargestellt werden.

Bei einer Schallleitungsfehlhörigkeit bis 30dB ist die Reflexschwelle erhöht. Über diesem Wert jedoch gar nicht mehr auslösbar.

Bei einer Schallempfindungsfehlhörigkeit hingegen, ist die Schwelle durchgehend normal. Bei einer Schädigung des Hörnervs ist der Reflex meist schnell ermüdet und die Schwelle höher als normal oder nicht mehr messbar.

Hörgeräte ahmen diese natürliche Schutzfunktion nach. Hierzu ist eine Impulsschallunterdrückung integriert worden, die bei bestimmten Lautstärken blitzartig den Schall reduzieren. 

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