Sonntag, 11. April 2021

Muss man Service zukaufen?

Macht ein Servicepaket Sinn?

Wie so vieles, ist auch diese Frage nicht pauschal zu beantworten. Um einschätzen zu können, ob das Angebot und der Preis gerechtfertig sind, betrachten wir zunächst, was der Fachbetrieb eigentlich ohnehin erbringen muss.

Oft wird in Servicepaketen mit kostenloser Reinigung, sechs Jahren Service, regelmäßigen Überprüfungen des Gehörs, Nachjustierung usw. geworben. Fakt ist aber, dass diese Leistungen vertraglich von gesetzlichen Krankenkassen bereits teilweise festgeschrieben sind. Ich zitire exemplarisch die entsprechende Stelle aus dem Versorgungsvertrag der IKK Classic und markiere die Leistungen.

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Zitat:

"(9)Wählt der Versicherte von vornherein kein aufzahlungsfreies Hörsystem, beziehungsweise eine Versorgung, die zwar gleichwertig ist, aber über das Maß des Notwendigen und Zweckmäßigen (Wirtschaftsgebot § 12 SGB V) hinausgeht, kann der Leistungserbringer dem Versicherten die Mehrkosten in Rechnung stellen. Dies betrifft auch die daraus entstehenden Folgekosten/Mehrkosten für Reparaturen. Der Hörgeräteakustiker hat den Versicherten hierüber aufzuklären. Die Aufklärung hat sich der Leistungserbringer vom Versicherten durch Unterschrift unter der als Anlage 6 beigefügten Versichertenerklärung zur Hörgeräteversorgung bestätigen zu lassen.

(10)Der Leistungserbringer übernimmt die Instandhaltung des Hörsystems gemäß Absatz9, die Lieferung der erforderlichen Otoplastiken sowie die Nachbetreuung für den Versorgungszeitraum von sechs Jahren. Sofern Reparatur- und Wartungsarbeiten an den Hörsystemen/Tinnitusgeräten erforderlich werden, stellt der Leistungserbringer in der Regel dem Versicherten, sofern gewünscht, kostenlos geeignete Ersatzgeräte für die Dauer der Reparatur zur Verfügung. Statt der Reparatur kann der Leistungserbringer auch das Hörsystem austauschen. Defekte aufgrund von Missbrauch oder offensichtlich unsachgemäßer Behandlung sind von derInstandhaltung im Rahmen der Pauschale ausgenommen, dies gilt auch für Reparaturen nach Ablauf des Regelversorgungszeitraums von sechs Jahren. Diese Instandsetzungskosten hat der Versicherte zu tragen.

(11)Der Leistungserbringer übernimmt für die Dauer von sechs Jahren nach abgeschlossener Anpassung alle für eine einwandfreie Funktion des jeweiligen Produkts notwendigen Wartungs- und Reparaturarbeiten auf Basis einer einmaligen pauschalen Vergütung. Mit der pauschalen Vergütung für die Hörsysteme sind auch alle notwendigen Wartungs- und Reparaturarbeiten am kombinierten Tinnitusgerät/Hörgerät und am Tinnitusgerät abgegolten. Zu den notwendigen Wartungs- und Reparaturarbeiten zählen auch Arbeiten an der Otoplastik sowie der erforderlichen Nachversorgungen mit Otoplastiken. Die Pauschale umfasst alle Dienstleistungs- und Materialkosten; weitere Kosten können der IKK nicht in Rechnung gestellt werden. Wählt der Ver-sicherte ein vom Leistungserbringer aufzahlungsfrei angebotenes Produkt, sind alle anfallenden Wartungs-und Reparaturarbeiten sowie Materialkosten durch die pauschale Vergütung abgegolten. Wählt der Versicherte eine andere als die aufzahlungsfrei angebotene Versorgung, übernimmt die IKK ebenfalls die Reparaturpauschale. Bei derartigen Versorgungen entstehende Mehrkosten können nicht zu Lasten der IKK abgerechnet werden und sind vom Versicherten zu tragen.
"

Zitat Ende.
(Quelle: Versorgungsvertrag zw. IKK Classic und der Bundesinnung der Hörakustiker KdöR vom 01.08.2016, §3 Grundsätze der Leistungserbringung, Stand 10.2020)
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Bei Reparaturen und Otoplastiken gibt es, wie man sieht, eine Besonderheit. Prinzipiell gilt: Zahlt man bei Hörgeräten und/oder Otoplastiken einen Eigenanteil, so zahlt man idR auch bei Reparaturen oder Nachfertigungen einen Eigenanteil. Wie hoch der letztlich ist, hängt vom Defekt/der Variante und Fachbetrieb ab. Manche Betriebe verlangen auch für Schlauchwechsel o.ä. Maßnahmen Geld. Das ist auch legitim, da der Versorgungsvertrag nicht explizit von "kostenfrei" spricht, außer bei Leihgeräten.

Auch oft in diesen Paket enthalten sind Pflegeprodukte und Batterien. Ob sich das finanziell rentiert, hängt natürlich vom monatlichen oder pauschalen Betrag ab. Batterien gibt es oft deutlich günstiger im world wide web und Pflegeprodukte muss man nicht zwangsläufig nachkaufen, wenn man bswp. elektrische Trocken- und Reinigungsgeräte nutzt.

Ein erheblicher Vorteil kann aber die Übernahme jeglicher Reparaturen sein, sofern man ein Hörgerät mit Eigenanteil erworben hat. Hier sollte nur unbedingt auf das Kleingedruckte geschaut werden. Manche Reparaturgründe werden hier direkt ausgeschlossen, Beträge gedeckelt oder nur prozentual übernommen. Auch ist interessant, ob Verlust mit abgedeckt wird.

Hier wird aber auch exemplarisch und in Teilen deutlich, was von einem Fachbetrieb vertraglich bereits verlangt wird. Dies ist natürlich Teil der Mischkalkulation und auch verantwortlich für Preisgestaltungen bei Hörsystemen.

Fazit:
Unterm Strich sind Reparaturen und Verlust der interessanteste Part. Wie bei Versicherungen auch, weiß man vorher nie, was passiert. Daher ist es schwer zu sagen, ob ein Servicepaket sinnvoll ist. Bei Verlust müsste der geleistet Eigenanteil erneut gezahlt werden. Je nach Hörgerät kann das ein ordentlicher Betrag sein. Bei Reparaturen sind es meist ca. 100 - 200€, je nach Defekt. Auch bei guter Pflege hat man in 6 Jahren sicherlich mal die ein oder andere Reparatur. Also wäre hier ein monatlicher Betrag von ca. 5,- € (ohne Verlustabdeckung) rein rechnerisch wohl angebracht. Das gilt natürlich nur für Hörsysteme mit Eigenleistung.

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